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Die Deutsche Telekom rudert bei der Drosselung zurück

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Eingetragen von manu am 14. Juni 2013 - 10:35

Nachdem es von allen Seiten Kritik zu den Plänen der Deutschen Telekom hagelt, welche die Drosselung bei Vielnutzung des Internetszugangs auf 365 Kilobits pro Sekunde betreffen, macht der Konzern nun einen Rückzieher. Zumindest einen kleinen, denn eine Bremse soll es immer noch geben.

Die viel diskutierte Drosselung, mit der die Deutsche Telekom ab 2016 vor allem Vielnutzern an den Kragen will, fällt nun doch nicht so drastisch aus wie bislang vorgesehen. Statt auf 384 Kilobits pro Sekunde wird nach Erreichen der jeweiligen Obergrenze jetzt auf zwei Megabits pro Sekunde (Mbit/s) gedrosselt.

Für die Drosselungs-Ankündigung erntete der magentafarbene Riese jede Menge Kritik: Verbraucherschützer klagten, Facebook-User schimpften und Branchenverbände argumentieren gegen dieses Konzept.

„Immer höhere Bandbreiten lassen sich nicht mit immer niedrigeren Preisen finanzieren“, formulierte Michael Hagspihl, Geschäftsführer Marketing der Telekom Deutschland, das Kernargument für die Drosselung. „Den Kunden mit sehr hohem Datenaufkommen werden wir in Zukunft mehr berechnen müssen."

Nun rudert die Telekom allerdings ein wenig zurück, indem Kunden nach Aufbrauchen ihres Inklusivvolumens mit 2 Mbit/s statt 384 Kbit/s weiter surfen können.
Nicht in Stein gemeißelt

„Wir haben in den vergangenen Wochen einen intensiven Dialog mit unseren Kunden geführt und die Sorgen verstanden. Mit 2 Mbit/s liegen wir deutlich über dem Mindestrichtwert aus der Breitbandstrategie der Bundesregierung – wir haben ihn verdoppelt", findet Niek Jan van Damme, Deutschlandchef der Telekom. Der neue Wert gilt rückwirkend auch für Verträge, die seit dem 2. Mai 2013 abgeschlossen wurden.

Die Telekom hatte mehrfach erklärt, dass sowohl die reduzierte Geschwindigkeit als auch die Inklusivvolumina dynamische Werte sind, die sich an den Markterfordernissen orientieren. „Die Werte sind nicht in Stein gemeißelt, auch hier gilt: Wir stellen uns der Realität. Vor der Einführung 2016 werden wir uns den Durchschnittsverbrauch unserer Kunden genau ansehen und die Inklusivvolumina gegebenenfalls anpassen“, erklärt Hagspihl.

In der offiziellen Mitteilung des Konzerns wird allerdings kein Wort über die mögliche Verletzung der Netzneutralität verloren, denn der ursprüngliche Plan des Providers umfasste eigene Angebote wie „Entertain“ von der Drosselung auszunehmen. Fremde Services wie Apple iTunes, Lovefilm oder Maxdome werden beim zu Buche schlagenden Datenvolumen hingegen angerechnet.
Zuschüsse

Wie die Telekom immer wieder betont, bleibt das Ziel ein leistungsstarkes Internet für alle anzubieten. Für den Ausbau ins flächendeckende Highspeed-Internet investiert der Konzern allein in den kommenden Jahren zusätzlich sechs Milliarden Euro. „Damit sind wir Vorreiter in Deutschland. Wir werden unsere Tarife aber differenzieren müssen, so dass wir unsere Netzinvestitionen auch in Zukunft zurückverdienen können", ergänzt van Damme.

Doch nicht nur die Deutsche Telekom investiert in den Ausbau der Netze. Für den Breitband-Ausbau gab es ebenfalls immense staatliche Zuschüsse für benachteiligte Gemeinden. Im Bundesland Bayern beläuft sich der Förderhöchstbetrag je Gemeinde beispielsweise auf 500.000 Euro. Das Programm läuft bis Ende 2017.

Gerade vor dem Hintergrund dieser Zuschüsse, die in der Erwartung von Flatrate-Angeboten bewilligt wurden, könne die Telekom jetzt nicht zurückrudern, argumentieren Telekom-Kritiker.

 

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